Bye,bye,Berlin: Recap Deutscher Fundraising Kongress 16

Die schlechte Nachricht kam vorweg, der Fundraising Kongress wandert wieder, back to Kassel, in die sogenannte Provinz. Hoffen wir, daß dieses Signal nicht auch auf den Charakter des nächsten Kongresses abstrahlt. Ich finde das schade, bilde ich mir doch ein, dass die Hauptstadt der Republik auch dem Fundraisingkongress gute Impulse geben kann.

Was gab’s diesmal? 

Den Auftakt fande ich mäßig. Das Flüchtlingsthema ist hochpolitisch – das musste irgentwie schiefgehen, und ging dann auch schief #maltesergate. Auch war die Antwort auf die gestellte Frage schon vorher absehbar, schade. Dichter am Thema Fundraising wäre besser gewesen, z.B., wie sich NPO’s in Deutschland in dieser Frage besser vernetzen können und was es zu tun gilt, um die Zivilgesellschaft noch besser für Ursachen und Konsequenzen der Flüchtendenproblematik zu sensibilisieren.

Bigsessions

Der Programmablauf beim Kongress war ansonsten relativ unverändert – bis auf die Bigsessions, die ich, auch als Format,  klasse fand. Choreoraphisch hebt sich natürlich das sozialmarketing.de-Team heraus, irgendwie amerikanisch, sehr authentisch und kurzweilig. Jedes Teammitglied hatte die Gelegenheit, in 3 Min. seinen Trend vorzustellen. Zuletzt wurde dann abgestimmt. Obwohl der Jörg nur 74% bei der Applausometer-abstimmung bekam, halte ich die Chatbots für die spannendenste Zukunftsvision, auch für das Fundraising. Vielleicht gibt’s beim #dfk17 ein Trendupdate!

Highlight

Mein Workshophighlight waren Ole Seidenberg und Oliver Reff mit ihren Showcases zum Thema „Mobiles Marketing“. Stichwörter waren NFC, QR und BLE. Spanennde Aktionen von NFC-Stickern, die Aktive in Japan tragen und Interessierte darüber spenden, bis zu 3.500 Schlössern, die mit QR-Code gesprengt werden konnten (=5€ Spende/Schloss) machen Lust auf mehr, auch wenn  der Spendeneffekt insgesamt (noch) zu vernachlässigen ist. Aber es gilt, Neues auszuprobieren, denn: Die neuen Anspracheprodukte für den Spendernachwuchs müssen wir alle noch erfinden. Fazit der Referenten „Manchmal ist man seiner Zeit voraus“.

Der Galaabend

Nun, es ist alles gesagt, s. #dfk16

„What’s hot, what’s new?!?“

Das Pflichtprogramm am Freitag: Na klar, der Jan mit seiner Kultveranstaltung  Was für ein Aufwand, gefühlt 100 Experten zu den Tops und Trends weltweit im digitalen Fundraising zu befragen, Respekt!

Heraus kam eine wissenschaftlich-unwissenschaftliche Hitliste der wichtigste Elemente im  digitalen Fundraising. Das nicht gerade revolutionäre Ergebnis: Das E-Mail-Marketing siegt, weil es nach der Überzeugung der Experten nach wie vor zum digitalen monetären Fundraisingerfolg am meisten beiträgt.

Zum Schluß hies es dann: Warten auf Gregor GysiUnd das Warten hatte sich gelohnt. Das Thema Fundraising hat Gysi zwar nicht erwähnt, jedoch den Anwesenden auf der politischen Metaebene den Rahmen und die gesellschaftlichen Probleme aufgezeigt, in denen sich die Fundraiser*innen ( ich liebe das mit dem Sternchen) bewegen. Einige Zitate könnt Ihr hier nachlesen. Ich fande diesen Input briliant, weil er von außen kam, aber doch viel mit Fundraising zu tun hat. Er bringt mir einmal mehr wieder ins Bewußtsein, wofür ich, neben dem wirtschaftlichen Erfolg, arbeite (flugs motiviert habe ich dann Abends noch einen Tweet zum BASF-Skandal abgesetzt). Sprüche wie „Die klugen Reichen wissen, dass sie ihren Reichtum verteilen müssen, die doofen sind nur gierig“ sind pointiert und auch sonst finde ich Gregor Gysi rhetorisch einfach gut. Daher: Ein guter Gast und ein guter Zug vom Verband, diesen mit seiner Thematik an’s Ende der Veranstaltung zu platzieren.

Was bleibt?

Made by Birgit Kern

Wie immer bleibt bei einem Kongress etwas hängen, schöne Begegnungen, nachhaltige Inputs, ausgelassene Fundraisers Disco.
Alles in allem: Eine Krafttankstelle. Bis zum nächsten Mal dann, online oder offline beim #dfk17

re:publica15 Recap Tag 3

Am Tag 3 der re:publica15 lag Wehmut in der Luft. Viele Leute waren schon mit ihren Reiseköfferchen auf der STATION, es wurden schon Morgens Abschiedstweets versendet, es franste etwas aus und die Aufmerksamkeit auf die Themen sank allgemein. Zeit also für ein persönliches Fazit. Was bleibt?

„Finding Europe“, dieses Motto blieb mir zu blaß. Es war zwar in den Sessions vorhanden, aber oft nur im Kontext „Flüchtlinge“. Schön wäre ein länderbezogener Überblick über Best Practice und Stand der Dinge in Sachen Internet in einzelnen europäischen Ländern gewesen.

NSA und die Niederlagen in der Netzpolitik scheinen erst einmal akzeptiert zu sein. Es beginnt aber das Nachdenken über neue konstruktive Ideen und Lösungen, um in diesem Bereich wieder mehr Gestaltungsautonomie zu erlangen.

Was manche sich nicht vorstellen konnten: Es geht geht auch ohne @saschalobo. Das spricht dafür, daß die re:publica erwachsen geworden ist, autonom.

Die Community lebt, der Geist der re:publica auch. Und daher beginnt schon jetzt nach der re:publica15 die Vorfreude auf die re:publica16.

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@leonidobusch mit einem schönen Vortrag über Verwertungsrechte und Verwertungsmodelle. Er skizziert sogar zum Schluß in einer Matrix, wie die einzelnen Verwertungsstufen in einem „Fairen Urheberrecht“ geregelt werden könnnten. Video anschauen, da müssten die Einzelheiten zu sehen sein: „Coverversionen sind legal-Mashups in der Grauzone / Es ist aber nicht legal in D. eine Coverversion einer Coverversion zu machen / In D. sind die Rechte für Remixprodukte nicht geklärt / You tube ist das einzige Biotop im Internet, in dem Remixkultur veröffentlicht werden kann“

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Der große polnisch-britische Soziologe und Philosoph Zygmunt Baumann (89!) war mein persönliches Highlight an Tag drei. Er sprach über Privatheit im Internet: „Wir sind immer weniger mit uns alleine, das ist der Verlust der Privatheit / Anstelle von Privatheit träumen wir von der Publicity: Ich werde gesehen, also bin ich! / Die Idee von der Privatheit ist heute nicht damit verbunden, frei zu sein, sondern einsam / Durch Facebook&Co. wird das Gefühl der Einsamkeit unterdrückt, dadurch gibt es das Alleinsein nicht mehr / Wir leben in zwei Welten, virtuell und offline, dadurch verliert die Privatheit laufend an Attraktivität / Die Angst davor, ausgeschlossen zu sein, ist die Angst unserer Zeit/ Wir leben im Moment, unsere derzeitige Kultur ist dadurch keine lerndende, sondern eine vergessende / Wir brauchen eine reflexive Moderne, gleichzeitig sind wir noch weit davon entfernt, selbstreflexiv genug zu sein“.

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@diplix beendete den Sessionmarathon mit dem Thema „kognitive Dissonanz„. Es war witzig und lehrreich zugleich, Video lohnt bestimmt: „Lernen und studieren ist nichts anderes als schärfen des Blicks / Urteile sollten reine Arbeitsthesen sein, die wir jederzeit revidieren können sollen, wenn es erforderlich ist / Empörungswellen sind gleichzeitig Wertedebatten / Stichworte für ein angemessenes Verhalten: filtern, selbstreflexieren, weg von der Ich-Bezogenheit, Inseln der Vernunft bilden, Orte der Besinnung (wie z.B. die re:publica), ambiguitätstoleranz üben, Widersprüche schätzen / Wahrheit ist immer ein Kompromiss“.

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The End is the Party: Ja, das Bild haben wir gemacht, mit unseren Handy-Taschenlampenlichtern!

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Wie immer: Dank, Gesang, Konfetti und ein großes „Wir-Gefühl“

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Zum Schluß nur noch das:

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re:publica15 Recap Tag 2

Am Ende des ersten Tages der re:publica15 fragte ich mich noch, ob die #re15 wieder so gut werden würde, wie die #re14. Am Morgen des zweiten Tages konnte ich es kaum erwarten, bis es losging. Da wusste ich: Die re:publica wird mich auch in diesem Jahr wieder inspirieren, auch deswegen, weil die Themen so vielfältig sind. Bezogen auf meinen Beruf als Fundraiser ist es umso spannender, die gesellschaftlichen Trends und Entwicklung wahrzunehmen. Nirgendwo sonst gelingt mir das so gut wie hier. Meine Livetweets von Tag drei könnt Ihr unter @mtuerk mitverfolgen.

Der Tag begann mit @wilddueck und seinem Thema „Schwarmdummheit“. Nun ja, es ist auch der Titel seines neuen Buches, aber wieso bekommt dieser Mann nur 30 Minuten Redezeit zugebilligt.Schade, er hat viel zu sagen und wie er es sagt, das ist einfach super kurzweilig: „Utopiesyndrome sind unerfüllbare Ziele, die nur mit untauglichen Dingen erreichbar sind / Schwarmdummheit ist, wenn Menschen vergessen, daß bestimmte Dinge nicht gehen / Worüber wir nachdenken müssen, ist, nicht dumm-einfach, sondern dumm-intelligent zu handeln.

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Tja und dann kam es danach noch zu einer Begegnung der besonderen Art:

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@AndrejSoldatov ist ein Internetaktivist aus Russland. Er erzählte uns, wie die Überwachungsorgane in Russland es anstellen, daß die Aktivisten, weniger durch direkte Zensur, sondern durch technische Maßnahmen Zuhörer und Reichweite verlieren – ein trauriges Kapitel unserer Realität. Soldatov ging dann noch mit Edward Snowden ins Gericht, dem er vorwarf, daß er so tue, als ob er nicht in Russland leben würde und daß dieser in Russland noch kein Interview gegeben hätte.

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@Astro_Alex ist Astronaut bei der ESA und durch seine Tweets während seines Aufenthalts auf der ISS bekannt geworden. Jetzt sprach er auf der re:publica und es war wirklich gut. Alexander Gerst kommt locker und sehr sympathisch rüber. Seine Begeisterung für den Job, die Mission, ist ihm anzumerken, aber er ist auch nachdenklich, was die Zerbrechlichkeit unserer Erde und unseren Anteil daran angeht: „Die Raumfahrt kann Probleme auf unserer Erde besser begreifen, weil sie den nötigen Abstand dazu hat / Mir ist klar geworden, wie stark die Menschen durch ihr tun die Erde verändern / Wenn Ihr einen Traum habt, dann laßt Euch diesen von niemandem ausreden. Gebt ihm einmal im Leben eine Chance“.

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@hdsjulian stell in seinem Blog www.vierzehnachtzehn.de die Kriegstagebücher seines Urgroßvaters online und machte damit die Erfahrung, daß sich viele Menschen daran beteiligen: „Um ein Blogprojekt zu managen, muß man jede Hilfe annehmen und Kontrolle aufgeben / Es war eine tolle Erfahrung, zu erleben, wie viele Leute Lust hatten, an meinem Tagebuchblog mitzuarbeiten / Das einzige, was mir noch an diesem Blog gehört, ist die Idee, das Tagebuch online gestellt zu haben“.

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re:publica15 Recap Tag 1

Ein Jahr ist vergangen seit der #rp14 , ein Jahr, in dem sich die digitale Gesellschaft weiterentwickelt hat, ein Jahr, in dem sich jedoch in Sachen Netzpolitik nichts Entscheidenes weiterbewegt hat. Einige Niederlagen mussten verdaut werden und es ist spannend, die re:publica15 zu besuchen, um den Stand der Dinge wahrzunehmen. Meine Livetweets könnt Ihr unter @mtuerk mitverfolgen.

Das Motto der re:publica15  „Finding Europe“ wurde bereits im Eingangsbereich schön visualisiert durch pulsierende Lichtbögen

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Der Eröffnungsset mit diesen Postulaten: Ausstieg aus der Überwachung – jetzt / Die Vorratsdatenspeicherung gehört weg – global / Laßt uns die Mauer einreißen, die die EU gebaut hat! / Laßt uns daran arbeiten, daß die Werte, die wir vertreten, auch in der Wirtschaft ankommen!2015-05-05 10.18.01

Ethan Zuckermann @EthanZ: „Das Misstrauen gegen alle Institutionen wächst, weil durch mehr Transparenz die Schwächen der Institutionen deutlicher werden“.
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Friedemann Karig @f_karig: „Verschwörungstheorien werden durch Deutungshohheiten bestimmt / Gott ist demontiert-es gibt keinen Vater mehr-das ist der Preis der Aufklärung / Die Kosten der Wahrheit sind extrem gefallen-dementsprechend schwer hat es die Lüge / Wir müssen dem Alarmismus und der Lüge den Boden entziehen-auch indem wir ab und zu die Achseln zucken und nicht so tun, als ob wir auf alles eine Antwort hätten“
2015-05-05 12.16.24Professor Dr. Bernhard Pörksen: Das Gesetz der Asymetrie und das der Unmöglichkeit der Zensur bestimmt die 5. Gewalt sowie die Macht der vernetzten Vielen / Es gibt dafür drei Muster: 1. Die Rolle als Protestgemeinschaft, Agendasetter, medienkritisches Korrektiv, 2. Die Organisationsstruktur ist das Konnektiv (wieder einen neuen Ausdruck gelernt ;)), eine Mischung aus Gemeinschaft und dem Ich, einer Ich-Wir-Gemeinschaft, 3. Das Wirkungsmuster besteht daraus, daß die Macht nicht mehr linear und strukturiert, sondern als erruptives Wirkungsnetz ausgeübt wird.

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Nettes Gimmick von @fischerappelt: Name und Empörungswort (z.B. Bushido) vor Ort twittern und die „Helden heulen“2015-05-05 13.37.59Tja, und dann waren da natürlich noch die @Pussyrriot – sie erinnerten mich etwas an David Hasselhoff im letzten Jahr, aufsehenerregend, daß sie da waren, inhaltlich kam aber nicht viel rüber, was aber vor allem an den weltfremden Fragen des Moderators lag. Schade, da wäre mehr drin gewesen, aber trotzdem war es ein gutes Zeichen, daß Pussy Riot da waren und ein Zeichen für den Kampf gegen repressive Regime setzten. Und Spaß hatten sie nach ihrem Auftritt anscheinend auch:

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Fair investieren – Entwicklung fördern: Geht das?

Es war ein Jubiläum, welches an diesem Abend in den Räumen von Brot für die Welt in Berlin gefeiert wurde: Vor fünf Jahren wurde ein fairer Investmentfonds aufgelegt, der FairWorldFonds.  Er entstand in Folge der weltweiten Finanzmarktkrise, die verschiedene Akteure dazu anregte, darüber nachzudenken, wie Geldanlagen entwicklungspolitisch wirken können. Ein fairer Investmentfonds, funktioniert so etwas überhaupt? Ist faire Geldanlage nicht zwangsläufig mit weniger Rendite verbunden, da die Gewinnmaxi-mierung nicht mehr einziges Ziel ist? Und wie wird sichergestellt, daß ein fairer Investmentfonds auch wirklich fair wirkt? Um diese Fragen zu beantworten, gab es eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Banken und Brot für die Welt sowie dem Südwindinstitut. Sie fanden sich in einem Kriterienausschuss zusammen, der in der Folge die Fondskriterien entwickelte sowie in regelmässigen Abständen über die Zusammen-setzung der Fondstitel zusammensitzt. Die Aufgabenteilung sieht so aus, daß die Fondsgesellschaft Union Investment das Fondsmanagement übernimmt, die Bank für Kirche und Diakonie und die  GLS-Bank, übernehmen den Vertrieb, Brot für die Welt berät in Bezug auf die entwicklungspolitischen Kriterien, die IMUG übernimmt das Research.

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V.L.n.R.: John Capel (Bench Marks Foundation), Björn Drescher (Drescher&Ci.), Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), Ingo Speich (Union Investment), Silke Stremlau (imug), Heidemarie Wieczorek-Zeul (Bundesministerin a.D.), Susanne Bergius (Moderation).

Was zu Beginn als Experiment geplant war, entwickelte sich in der Folge zu einer Erfolgsgeschichte: Rund 270 Millionen Euro beträgt das Fondsvolumen, die jährliche Rendite bewegt sich seit der Auflage konstant um die 3%.

Wertentwicklung FairWorldFonds

Wertentwicklung FairWorldFonds

Auch wenn sich die Bedeutung des Fonds im Vergleich zum Gesamtvolumen herkömm-licher Investment immer noch bescheiden ausnimmt, ist mit dem FairWorldFonds der Beweis gelungen, daß sich Rendite und nachhaltige Geldanlagen nicht ausschließen und ein marktfähiges Produkt entwickelt wurde. Der sehr strenge nachhaltige Ansatz hat Maßstäbe gesetzt, nach den sich vergleichbare Fonds ausrichten müssen.  Was aber auch klar ist, das ergab die Diskussionsrunde: Nachhaltige Geldanlagen müssen mehr gefördert werden, z.B. durch steuerliche Bevorzugung entsprechender Investoren. Und: Die Berichtspflichten, bzw. Kennzeichnungsfristen vor allem im Bereich der nachhaltigen Beschaffung müssen ausgeweitet werden, das forderte zumindest Renate Künast, die vorschlug, mit nachhaltiger Beschaffung beispielsweise bei der Einkleidung der Bundes-polizei oder der Beschaffung nachhaltig hergestellter Handtücher in kommunalen Kindergärten zu beginnen, um so Zeichen zu setzen. John Capel von der Bench Marks Foundation aus Südafrika, ein Brot für die Welt-Partner, forderte, daß Nachhaltigkeits-berichte von Unternehmen stärker dahin gehend untersucht werden müssen, inwieweit diese tatsächlich existierenden Internationalen Standards genügen.

Warum also in einen fairen Investmentfonds investieren? Zum einen natürlich wegen der Rendite, vor allem aber dann, wenn die Investierenden davon überzeugt sind, daß Unternehmen, die nachhaltig geführt werden, die Zukunft gehört, und nicht zuletzt dann, wenn den Investierenden Green Bonds zu riskant sind.

Provokanter Satz von Björn Drescher: „Es ist einfacher, ein nachhaltiger Fondsmanager zu sein, als ein guter Fondsmanager“.

Der neue Trend im Investment laut Silke Stremlau: DivestInvest, der Verzicht auf Investitionen in kohlenstoffbasierte, nicht nachhaltige Wirtschaftsbereiche, der jetzt auch in Berlin angekommen ist.

Fazit: Der Markt für nachhaltiges Investment entwickelt sich. Der FairWorldFonds übt darin eine Vorreiterolle aus

Recap 9. Kongress christlicher Führungskräfte in Hamburg Teil 2

Kongresssplitter des #kcf15

Bester Hingucker: Global Food Garden von OM:





Kreativstes Inventive: Werbebroschüre mit Mappe für die Deutsche Kleiderstiftung, made by Gute Botschafter.

Social Media Aktivitäten: Eher im unteren Bereich. Das lag zum einem an zu umständlichen Zugangsbedingungen Seitens des Kongresszentrums, aber auch an mangelnder Aktivität der Besuchenden. Auch hatte keiner der Speaker, die ich erlebte, einen Twitteraccount.

Skurrilstes Objekt: Die Bibel für Trucker auf polnisch.

Interessanteste Broschüre: Der erste Wirkungsbericht von  World Vision, ergänzt den regulären Jahresbericht.

Spannende Gebote: Die zehn Gebote für Unternehmende

Recap 9. Kongress christlicher Führungskräfte in Hamburg – Teil 1

Es war meine Premiere und in diesem Jahr als Alternative zum DFK15 eingeplant. Warum? Weil mir der Fundraisingkongress keine Gelegenheit bietet, mit meinen Zielgruppen – Unternehmen – in Kontakt zu kommen. Kann er ja auch gar nicht. Für mich ist das aber das Spannendere derzeit. In diesem Sinne war der #kcf15 für mich lohnend. Nicht nur, weil ich meine Visitenkartentasche durch einige interessante Personen bereichern konnte, sondern auch deswegen, weil ich einen guten Einblick erhielt, wie christliche Unternehmende ticken. Vorweg: Ja, sie ticken evangelikal. Auch ist die allgemeine Ausrichtung politisch eher (wert-) konservativ, wovon die Anwesenheit von Dr. Frauke Petry, Bundessprecherin der AfD in einem Podiumsgespräch zur Meinungsfreiheit in Deutschland, zweier CDU-Minister und einem Stand radikaler Abtreibungsgegner zeugt. Auch die sehr starke Betonung von Familie und Kinder als DAS Fundament einer gelungenen christlichen Unternehmerkarriere zog sich durch alle Beiträge. Auch, daß beide „Preise für christliche Führungskräfte“ an Männer gingen, war bezeichnend, aber vielleicht entspricht das auch den Realiäten der Verteilung von weiblichen und männlichen christlichen Führungskräften.

„Mit Werten in Führung gehen“ – um dieses Motto kreisten die Plenumbeiträge und Seminarthemen. Und über Werte, Gebote, Vorbilder und Führung erfuhr ich vieles. Vieles war dabei, was nachahmenswert ist. Was ist aber das spezifisch christlichliche daran? Werte wie „professionelle Agilität“, „kompromisslose Aufrichtigkeit“, „konzentrierte Achtsamkeit“, „echte Ambition“ erschliessen sich doch durchaus auch einem Atheisten, oder?

Was ich mitnahm, und da greife ich eine Twitter Diskussion mit @_widera_ auf, ist es die Kunst, zwischen Egoismus und Altruismus einen geeigneten Mittelweg zu finden.  Mit welchen Werten? Z.B. Maß halten, nicht gierig sein, abgeben, teilen, Verantwortung dafür zu übernehmen, die persönlichen Gaben so einzusetzen, daß sie gute Früchte bringen. Das alles ist nicht egoistisch, dient aber gleichzeitig der eigenen Zufriedenheit und Sattheit. Damit wird auch die Bedeutung von Geld relativiert. Denn gerade beim Geld ist die Egoismusgefahr am größten. Weil es beim Geld kein natürliches Sättigungsgefühl gibt, keine natürliche Instanz, die sagt „Jetzt ist genug!“. Und das finde ich tröstlich: Christliche Werte helfen dabei, seinen eigenen Wertekompass zu justieren. Und dafür war der #kcf15 sehr gut geeignet.

NGO’s zwischen Repressionen in Russland und Krieg in der Ukraine

In Berlin treffen sich in dieser Woche auf Einladung von Brot für die Welt rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von NGO’s aus Russland, der Ukraine, Belarus und der Republik Moldau zu einer Konferenz. Auf einer Podiumsdiskussion wurden Erfahrungen ausgetauscht.

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Sitzend von links nach rechts:
Tetiana Basiuk, Children Well-Being Fund, Kiew
Dr. Gabriele Freitag, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Berlin
Rima Sharifullina, EGIDA, St. Petersburg
Christine Meissler, Brot für die Welt, Berlin

Natürlich lag der Fokus auf den Ereignissen in der Ukraine, aber auch auf Russland. Unterschiedlich sind die Arbeitsbedingungen in beiden Ländern:

In Russland werden NGO’s, die sich weigern, willkürlich angeordnete, kiloschwere Papierberichte über ihre Arbeit anzufertigen, den staatlichen Behörden zu übergeben und sich von ihnen „prüfen“ zu lassen, sanktioniert. Auch wenn diese NGO’s Zuwendungen aus dem Ausland erhalten, erfahren sie Repressionen: Sie werden zu „ausländischen Agenten“ und kommen auf eine Blacklist. Die staatliche Propaganda stigmatisiert diese NGO’s zusätzlich, was dazu führt, daß diese ausgegrenzt und von weniger Menschen unterstützt werden. Außerdem werden staatlichen Zuwendungen für soziale Aufgaben dann natürlich nur an die NGO’s verteilt, die nicht auf dieser Blacklist stehen.
Für Putin sind Informationstechnologien und NGO’s die größte Bedrohung Russlands. Dementsprechend ist die Meinungsfreiheit im öffentlichen Raum eliminiert worden.
In der Ukraine ist es genau anders herum: Ein neues Gesetz für NGO’s hat zu mehr Selbstbewußtsein geführt und zu Widerstand gegen repressive Aktionen des Staates. Es gibt für NGO’s zwar kein Geld vom Staat, dafür aber mehr aus Spendenmitteln. Die Menschen sehen, dass sie besonders auf lokaler Ebene viel mehr verändern können. Es entstehen neue Netzwerke von Organisationen und es gibt eine aktivere Zusammenarbeit von Kirchen, lokalen Organisationen und NGO’s. Es werden lokale Gemeinschaftsräte gebildet, die bestimmte soziale Aufgaben gemeinsam beraten und entscheiden. NGO’s, die in der Ukraine soziale Probleme angehen, werden politisch nicht unter Druck gesetzt, Menschenrechtsorganisationen dagegen schon. Der neueste Trend: NGO’s, die Korruption bekämpfen. Mal sehen, was der Staat dazu sagen wird…

Was können NGO’s sich wehren, überleben und was können wir für sie tun?

Vernetzen
Zum einen müssen NGO’s in Russland und Ukraine sich untereinander, aber auch länderübergreifend vernetzen, da sie ein Ziel haben: Die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Bekämpfung totalitärer Strukturen. Wenn sie nicht kooperieren, werden sie schwächer.

Kontakte pflegen
Die Plattform, die Brot für die Welt bietet, um zivilgesellschaftliche Aktivitäten zu fördern, ist ein Beispiel, wie wir im Westen unterstützen können. Das Gefühl, nicht allein zu sein, ist für die NGO’s im Osten das Wichtigste. Auch der Jugendaustausch und direkte Kontakte sorgen dafür, dem von den Medien oft verzerrten Bild der Situation entgegenzuwirken.

Im Gespräch bleiben
Für die NGO’s in Russland ist es wichtig, mit staatlichen Vertretern weiter im Gespräch zu bleiben. Denn auch in diesem Apparat gibt es Menschen, die die staatlichen Maßnahmen ablehnen und sehen, welche negativen Auswirkungen sie haben.

Öffentlichkeit schaffen
Die Maidanbewegung ist ein Paradebeispiel, aber auch so ist es wichtig, eine öffentliche Wahrnehmung zu erreichen, indem immer wieder die eigene Leistung der NGO nach vorne gestellt wird, eben PR-Arbeit für die eigene Sache.

Finanziell unterstützen
Der Westen muß die NGO’s in Russland unterstützen, die dort keine staatlichen Mittel erhalten, und zwar dafür, daß sie soziale Arbeit leisten können.
„Wir müssen kommunizieren, um zu überleben“, so Rima Sharifullina von EGIDA, einer Menschenrechtsorganisation aus St. Petersburg, „Es ist eine Frage der Zeit, daß sich auch bei uns in Russland demokratische Strukturen durchsetzen, denn den globalisierten Prozessen kann sich auch unser Land nicht entziehen“.
Es wird ein weiter Weg bis dahin und trotzdem lohnt es sich, ihn zu gehen und die Menschen dabei zu unterstützen.

mrecap #re14 die Zweite: Sascha Lobo und das Fundraising

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Mit dem Zitat „Ihr twittert, aber überweist nicht, Eure Eltern twittern nicht, aber überweisen“ warf Pastor Sascha Lobo der versammelten rp-Gemeinde verkürzt vor „Ihr labert nur und tut nichts“. Seine Forderung: Spendet, statt zu reden, spendet statt nutzlose Petitionen zu unterschreiben, spendet, statt  passiv zu sein. Wow, da sprach ein Fundraiser, zwar nicht gewinnend, positiv formulierend, sondern eher vorwurfsvoll, aber er brachte den Kern seines Rands damit auf den Punkt: Wie viel ist uns das Internet wert, was sind wir bereit, dafür zu tun? Wie kann es sein, dass sich 120 Vollzeitmitarbeitende um die Rettung der Bekassine kümmern, aber nur 2 um die Rettung des Internets?

Petitionen unterschreiben ist eine Form des persönlichen Engagements. Dieses und Ähnliches haben wohl alle von uns gemacht. Beim Spenden wiederum geben wir Verantwortung an Organisationen ab, denen wir vertrauen. Sie sollen die gesellschaftlichen Probleme lösen, die wir alleine nicht lösen können. Aber: Trauen wir Digitaler Gesellschaft, Campact und Co. zu, dass sie gute Arbeit tun, oder teilen wir das allgemeine Misstrauen, das NGO’s woanders auch entgegenschlägt?  Haben uns vielleicht die entsprechenden NGO’s ihre Visionen und ihre Mission nicht adäquat vermittelt? Oder ist es schlichtweg so, dass die Jüngeren beim besten Willen einfach nicht die Kohle haben?

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Grafik mit freundlicher Genehmigung der GfK Gruppe

However, das Thema „Fundraising für das Internet“ ist auf der Agenda der Netzgemeinde – und öffnet damit ein interessantes Feld für Überlegungen, wie wir Menschen motivieren können, für die Freiheit des Internets zu spenden.

PS: Hier könnt Ihr Euer Geld loswerden und eine starke Antwort auf den Loborant geben: „Digitaler Widerstand braucht Spenden„.  Danke, Jörg für Deine spontane Initiative!

 

mrecap #re14 die Erste: Into the Wild

Nachdem ich sie in den letzten Jahren digital verfolgt hatte, konnte ich in diesem Jahr endlich Live teilnehmen. „Into the Wild“ ist das Motto der diesjährigen re:publica, das Spielraum für viele Interpretationen lässt: Natürlich erstmal: Das Internet ist eine Wildnis, ein Dschungel. Dann: Zurück zur Natur, Wildnis statt Ordnung, Back to the roots. Was ist aber der Hintergrund des Mottos? Wir stehen vor großen Herausforderungen, die Freiheit des Internets zu verteidigen, uns unsere individuelle Freiheit zu erkämpfen, zurück zu erobern – nur fehlen uns die richtigen Instrumente dazu. Böse Narrative (danke @f_karig für den sehr guten Input zum Thema „Überwachung macht impotent – Neue Narrative gegen Überwachung“) lähmen uns und wir finden keine Mittel dagegen. Von „Ich hab‘ doch nichts zu verbergen“, bis „Man kann ja eh‘ nichts tun“, „Nur Metadaten“, „Freiheit vs. Sicherheit“ reichen diese bösen Narrative, diese Totschlagargumente. Unsere Reaktionen darauf sind unterschiedlich, Resignation, die Dinge laufen lassen, darauf hoffen, dass es schon nicht so schlimm wird, Abwehrmaßnahmen wie Tore , usw. Was kann uns da die Wildnis sagen? Können wir vielleicht von Natur lernen, um Lösungen für unser Problem mit diesem Internet zu finden? Ein Ansatz wäre, das Prinzip zu beachten, dass Tiere und Pflanzen  der Natur nur so viel entnehmen, wie sie zu ihrem Leben benötigen. Könnten wir dieses Prinzip nicht auch auf das Internet übertragen, Grenzen der Einflussnahme und Regeln der Überwachung definieren und festlegen, um damit der hemmungslosen ÜberwachungsDatengier Einhalt zu gebieten?  Dazu macht es Sinn, sich zwischendurch eine Auszeit zu nehmen und in den Wald zu gehen, zu schauen, was unsere Visionen, unsere Bilder von einer „heilen Natur“, einem „heilen Internet“ sind. Also, ab Into the Wild und:

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